Richtfest

Historische Tradition der Zimmerleute

Wenn der Rohbau eines Gebäudes steht und der Dachstuhl aufgerichtet wurde,
feiert man das Richtfest.
Das Richtfest ist der Dank an die Handwerker und wird vom Bauherr organisiert und gestifet.
Für die Zimmerleute ist dieses traditionelle Ritual weiterhin ein Ausdruck der Freude an ihrem Handwerk und ihrer Tradition. Das Zimmererhandwerk ist auch in der heutigen Zeit noch sehr für traditionelle Rituale und Bräuche bekannt. Viele Zimmerer zieht es bis heute auf die Walz, welche 3 Jahre und 1 Tag dauert. Durch das Tragen der traditionellen Zimmererkluft zeigen die Zimmerer mit Stolz ihre Verbundheit zu diesem Handwerk.
Der Bauherr sollte diese Bräuche und Rituale mit der Aussrichtung eines Richtfestes unterstützen und den Handwerkern Speis und Trank spendieren.
Dieses Fest eignet sich auch ideal um sich näher kennenzulernen und bereitet in der Regel allen Beteiligten eine große Freude. In geselliger Runde werden häufig noch Lieder gesungen und vielleicht machen die Zimmerer ja sogar ihren traditionellen Zimmererklatsch. Fragen Sie einfach mal danach.

Ablauf eines Richtfestes

Woran der Bauherr denken sollte

Zunächst sollte der Bauherr einen Richtkranz besorgen. Alternativ kann ein solcher Kranz auch selbst gebunden werden: aus Draht einen Richtkranz biegen und dann mit verschiedenen Ästchen umwinden. Das Binden ist einfach. Einige kleine Ästchen mit Draht um den Richtkranzdraht wickeln. Dazu eignen sich beispielsweise Äste vom Bux, Lebensbaum oder auch Äste von einer Thuja. Das Binden ist vergleichbar mit dem eines Adventskranzes. Sobald er fertig gebunden ist, noch ein paar bunte Bänder anbringen und fertig ist der Richtkranz. Oft wird anstelle des Richtkranzes ein Richtbaum oder Richtbäumchen verwendet. Hierzu eignet sich eine kleine Tanne oder Fichte, welche mit bunten Bändern verziert wird. Dieser wird anschließend von den Zimmerleuten am Dachstuhl befestigt. Ob nun ein Richtkranz oder Richtbaum verwendet wird bleibt dem Bauherr überlassen. Der Zimmerer, welcher den Dachstuhl aufrichtet, berät einen in dieser Frage sicherlich gerne.
Ein Weinglas und eine Flasche Wein sollte der Bauherr ebenfalls für den feierlichen Akt bereitstellen. Das Glas wird er allerdings nicht mehr wieder sehen, da es in der Regel nach dem Vortragen des Richtspruches auf den Boden geworfen wird.

Im Anschluss an den Richtspruch wird gefeiert, der so genannte Richtschmaus, meistens auf der Baustelle. Der Bauherr richtet das Fest aus, Ausdruck seines Dankes an die beteiligten Handwerker. Dazu werden dann oft auch alle Helfer, Bekannte, Freunde und Verwandte des Bauherrn eingeladen, denen man bei dieser Gelegenheit den Baufortschritt zeigen kann.

Geschenke zum Richtfest

Kleine Geschenke an den Bauherren sind für alle Bekannten, Nachbarn und Verwandte als kleine Aufmerksamkeit und Dank für die Einladung angemessen.
Früher und auch heute noch teilweise üblich, schenkt man den Bauherren Salz und Brot.
Salz und Brot gelten für:
Im Haus soll immer genug zum Leben (Essen) sein.
oder:
Solange genug Salz und Brot im Hause ist, wird keine Armut herrschen.
Heute sind eher Dinge wie Gartenzubehör, Pflanzen oder kleine Dinge für den Haushalt üblich.
Etwas schenken tun in der Regel nur diejenigen, die den Bauherren beim bisherigen Bau nicht unterstützt haben bzw. selbst nicht mitgeholfen haben.

Zusätzliche Geschenke an die Handwerker sind nicht unbedingt üblich, da das ausgerichtete Fest schon als Dank gebührt.

Weitere Informationen erhalten Sie auch unter www.richtfest.info. Mit Hintergrundinformationen zur Herkunft und zur Bedeutung vom Richtbaum oder den bunten Bändern am Richtkranz.